Ausstellungen, Künstler

WEISS PAPERS – Anja Sieber

 

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Weiss Papers – Anja Sieber

Vernissage 1. September von 18 – 21 Uhr

Ausstellung 2. – 24. September 2016

Live-Performances am 17. September um 11:30, 14:30 und 15:30 Uhr 

Anja Sieber interessiert sich für die Kommunikation der Menschen untereinander, übereinander, miteinander. Sie überträgt Literatur und Worte, „die sie hört“, in handgeschriebene, sich bunt überlappende Liniengeflechte. In einem neuartigen Verfahren experimentiert sie mit ihren „Texthäuten“. Nicht nur das Wort wird in Gestus transformiert, auch das als Bildträger verwendete Papier erfährt durch die vehemente Bearbeitung während des Schaffensprozesses eine materielle Metamorphose. Sie arbeitet performativ-interdisziplinär (Malerei, Zeichnung, Sprache) im Raum.

Anlässlich des 2016 in Berlin eingeleiteten Peter-Weiss-Jahres zum 100. Geburtstag des Schriftstellers greift Sieber für ihre Ausstellung in den Kunstzimmern Eppendorf die Idee der temporären, prozesshaften Rauminstallation wieder auf, die sie 2011 für den open]art[space in Potsdam – als Hommage an den berühmten Sohn dieser Stadt – und seine Romantrilogie „Ästhetik des Widerstands“ realisierte:

Damals verwebte sie in einer leerstehenden, ehemaligen Brauerei innerhalb von fünf Tagen durch ununterbrochene Live-Performances ein dichtes Netz aus drahtigen Mitschriften des „ÄdW“-Hörbuches, die sich durch den ganzen Raum spannten und malerische Objekte zu einigen – vorherig dazu im eigenen Atelier entstandenen – literarischen Textpassagen umhüllten.

Für die „Weiss Papers“ lässt sich Anja Sieber wieder auf eine prozesshafte Entstehung ihrer Werke ein. Einen Monat lang wird sie direkt vor Ort ihre Arbeitsgänge bewusst de- und rekonstruieren – und ihre Methode umkehren: das (fast) weiße Blatt zerreißen, zerknüllen, pressen, Formen daraus bilden, Materialien in Einzelteile zerlegen, sie exponieren, kombinieren, um inmitten dieses Geschehens Korrespondenzen aufzuspüren und wieder zu den früheren Arbeiten, zur eigenen Herangehensweise zurückzufinden. Identität hinterfragend nähert sich die Künstlerin so erneut dem Weltliteraten.

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Anja Sieber, geb. 1964 in Offenbach/M., Magistra phil. Romanistik/Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Verlegerin.

2008–2013 Studium an der Akademie für Malerei Berlin (Ernennung zur Meisterschülerin von Ute Wöllmann). 1980–1986 intensive Beschäftigung mit Zeichnung und Malerei. Längere Aufenthalte in Lissabon (Faculdade de Letras), Lyon (Institut Lumière), 5 Jahre in Paris (als Filmkritikerin). Verbrachte 17 Jahre in Berlin (Ausbildung zur Online-Redakteurin).

Seit 2015 lebt und arbeitet sie in Hamburg. 2012–2014 Mitproduzentin der Galerie ROOT am Savignyplatz, Berlin. Seit 2013 vertreten von der Galerie pack of patches, Jena, Galería Art Nou Mil.lenni, Barcelona, seit 2016 von AHC Projects, Hamburg. Aufgenommen in die Sammlung ElephanArt, Zürich, präsentiert auf internationalen Kunstmessen wie Miami River Art Fair, Art Beijing, art KARLSRUHE, Kunst Zürich, PREVIEW BERLIN.


Live-Performances Anja Sieber

Termin: 17. September um 11:30, 14:30 und 15:30 Uhr in der Galerie

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Die weiße Wand, das leere Blatt, vor ihr auf dem Boden: ein Haufwerk durchsichtiger, hautähnlicher Papiere. Rings. Zusammengedrängt. Brocken. Augenlöcher. Hand. Kurzsichtige. Schriftzeichen. Anja Sieber reagiert in den Performances live auf laut ausgesprochene Worte des Autors Peter Weiss und heftet Schriftstücke, nach dem verlorenen Sinn suchend, in einer gewissen Ordnung so an die Wand, dass sie im Raum korrespondieren. Es ist ein Spiel mit Schrift, Sprache, Literatur und Kunst, durch das sich die Ausstellung temporär verändert.